Lost at Seram Island

Der Tag, an dem ich in Indonesien zur Kartoffel-Promi wurde

Ein weiterer Tag, eine weitere Insel. Am Nachmittag kamen wir in der Kawa Bay an, und für den Rest des Tages konnten wir auf dem Boot machen, was wir wollten. Am nächsten Tag beschlossen Mark und ich, nicht mit der restlichen Crew an Land zu gehen. Es wäre sowieso wieder das gleiche schnelle Programm gewesen – bisschen herumlaufen, nach einer Schule suchen, die gleichen Fragen stellen, dann zurückschlendern und am nächsten Morgen weiterfahren.

Stattdessen nutzten wir die Zeit, um ein bisschen am Boot zu arbeiten, während der Rest der Crew auf Erkundungstour ging. Die Ruhe währte aber nicht lange – schon bald kam die Crew zurück, mitsamt einem Boot voller kichernder Mädchen.

Da saß ich also, auf dem Boden hockend, Dosen beschriftend wie eine Piraten-Bibliothekarin, als plötzlich fünf Mädels in den Salon stürmten und beim Anblick von mir vor Aufregung kreischten. Sie plumpsten um mich herum, Handys gezückt, und knipsten Selfies, als wäre ich irgendeine Dschungel-Prominenz. Schon lustig eigentlich – die ganze Reise spazieren wir in die Dörfer anderer Leute hinein und machen Fotos von ihnen, aber hier in Indonesien haben sich die Rollen komplett umgedreht.

Dann kam Mark herein – und Runde zwei des Gekreisches begann. Indonesier finden helle Haut wunderschön und hören nie auf uns zu sagen, wie hübsch wir seien. Ich geb’s ja zu – nett ist es schon, sowas zu hören! Aber mal ehrlich: Ich habe inzwischen eine ordentliche Bräune. Eher Latte Macchiato als weiß. Trotzdem sah ich neben den Mädels aus wie eine gekochte Kartoffel. Gut, ich sehe immer ein bisschen wie eine Kartoffel aus – aber im Moment bin ich echt braun für meine Verhältnisse! always look like a potato—but by my standards, I’m damn tanned!

Zwei der Mädchen boten an, für den nächsten Tag einen Fahrer zu organisieren, der uns zur „Apple Tree“-Quelle bringen sollte – einer natürlichen Quelle mit kühlem, frischem Wasser. Für 700.000 Rupiah für uns vier sagten wir sofort zu. Ambah und Dian waren überglücklich, endlich auch mal rauszukommen – normalerweise tun sie nicht viel außer zuhause rumhängen.

Am nächsten Morgen um 10 Uhr trafen wir uns am Haus der Mädchen, wo die gesamte Großfamilie (inklusive winzigem Neffen im Neugeborenenformat) draußen auf uns wartete. Wir waren viel zu früh, also mussten wir ein bisschen auf den Fahrer warten – was super war, denn so gab’s erstmal ein komplettes Familien-Fotoshooting. Oder besser gesagt: Sie machten ungefähr 57 Fotos von uns. Wir quatschten ein wenig mit den Brüdern, Schwestern und der Mutter. Währenddessen rollte auf einem Motorrad ein winziger Gemüsemarkt heran. Herrlich – in Deutschland gab’s früher auch mobile Supermärkte, aber das waren eher Lastwagen, in die man hineinging. Hier war es mehr so etwas wie… ein fahrender Salat auf zwei Rädern.

Als der Fahrer endlich kam, ging’s los. Kurz, aber urkomisch. Ich wurde mit Amber und Dian hinten reingequetscht, die sofort das Radio aufdrehten und Karaoke-Liebesballaden rausballerten. Natürlich sang ich mit – was ist schon eine Autofahrt ohne schiefes Gejaule? Leider hatte der Skipper keine Lust drauf und verlangte, die Musik leiser zu machen. Spielverderber. Aber hey, es waren ja nur 30 Minuten Fahrt.

Am „Apple Tree“ – offiziell Air Putri Waiyoho Kawa – zahlten wir 200.000 Rupiah Eintritt pro Auto, schon im Fahrerpreis enthalten. Während alle ins Wasser sprangen, schlenderte ich mit den Mädels zum Essen. Frühstück hatte ich zwar vorbereitet, aber wir waren früher losgefahren als abgemacht und das Essen blieb zurück.

Wir hörten Gesang um die Ecke und erinnerten uns, dass ein Schulbus angekommen war. Es stellte sich heraus, dass es eine Weihnachtsfeier war, organisiert von der Kirche. Eine Minute später saßen wir mitten in einem Gottesdienst. Ich verstand kein Wort, aber die Melodien waren bekannte Weihnachtsklassiker. Nach ein paar Liedern und Gebeten schlichen wir uns leise raus – mein Magen reichte nämlich gerade eine offizielle Beschwerde ein.

Erster Food-Stand: Obst. Endlich mal was Gesundes! Die Mädels empfahlen ein Gericht namens Rujak, und oh mein Gott – es war himmlisch. Geröstete Erdnüsse mit Palmzucker zerstoßen, dann Ananas, Apfel, Gurke und Papaya dazu, alles vermischt. Ich ließ die Chili weg (so mutig bin ich nicht), aber es war süß, knackig und einfach göttlich. So gut, dass wir gleich noch sechs Portionen für die restliche Crew und den Fahrer bestellten. Am Ende war es eher Zuckersuppe, aber ohne jegliche Reue. rujak, and oh my days—it was glorious. They crushed roasted peanuts with raw palm sugar into a paste, chucked in pineapple, apple, cucumber, and papaya, and mixed it all up. I skipped the chilli (I’m not that brave), but it was sweet, crunchy, and heavenly. So good that we ordered another six for the rest of the team, including the driver. By the end it was more like spooning sugar soup, but I had zero regrets.

Auf dem Rückweg baten wir darum, noch an einem Markt anzuhalten, weil wir kaum noch Gemüse an Bord hatten. Der „Markt“ bestand allerdings nur aus drei Ständen am Straßenrand. Ich war schon bereit, Papayablüten und Wasserspinat mitzunehmen – die Mädels erklärten sogar, wie man das kocht – aber letztlich nahmen wir nichts mit. Wieder das gleiche Essen an Bord also. Der Rest tröstete sich mit Eis, aber ich schaffte nicht mal eine Kugel – nach der Rujak-Orgie war mein Dessert-Magen endgültig dicht.

Der Skipper wollte schleunigst zurück, aber die Mädels überredeten alle, noch einen Berg hochzufahren, wegen der Aussicht. Kurze Fahrt, traumhafte Szenerie. Auf dem Rückweg tankte der Fahrer allerdings etwas, das man nur als benzinähnliche Flüssigkeit von einem Straßenstand bezeichnen kann. Das Auto hasste es. 30 Minuten lang ruckelten wir vor uns hin, der Motor stotterte wie mit Kater, Gangwechsel alle zwei Sekunden. Irgendwie kamen wir zurück zum Dinghi.

War trotzdem ein großartiger Tag. Ich liebe es einfach, Zeit mit Einheimischen zu verbringen – das ist der beste Weg, eine Kultur wirklich zu verstehen. Genau darum geht es für mich bei dieser Reise: Begegnungen, Bräuche und das echte Leben vor Ort. Man verliert das leicht aus den Augen, wenn man ständig nur von A nach B hetzt.

Am nächsten Morgen hieß es wieder Leinen los – früh raus, die Küste hoch zum Schnorcheln und um einen Ankerplatz für die Rumpfreinigung zu finden. Mit der MV Strannik durch unbekannte Riffe zu navigieren, ist alles andere als entspannend, aber mit allen Augen auf dem Wasser und langsamer Fahrt fanden wir zwischen ein paar hübschen kleinen Inseln einen Platz. Hoffentlich keine Krokodile.

Am nächsten Tag schrubbten Mark und die Crew den Rumpf, während ich Inventur machte. Danach ging’s tatsächlich ins Wasser – und wow, einfach wow. Atemberaubende Korallen, schillernde Fische – eine echte Unterwasser-Disco. Ich versuchte zu filmen, aber mal ehrlich: Aufnahmen werden dem nie gerecht.

Am Morgen darauf schlug die Crew vor, wie am Vortag um die Insel zu laufen. Was sie nicht erwähnten: Damals war Ebbe, jetzt war Flut. Ich dachte, es wird ein netter Strandspaziergang. Ich war völlig unvorbereitet – nur mein Handy, eine Flasche Wasser, keine Snacks, keine Badesachen, kein Sonnenschutz. Anfängerfehler.

Der Weg war brutal. Knietiefes Wasser, brechende Wellen, und irgendwann konnten wir nicht mehr im Meer laufen, weil uns die Brandung die Beine wegzog. Also kämpften wir uns durchs Dickicht und kraxelten über steile Felsen. Zwischendurch kamen wir kurz auf einen Strand, dann wieder zurück in den Dschungel.

Irgendwann schrie Simon „Schlangen!“ – er wäre fast auf welche getreten. Mark und ich liefen vorneweg und sind wahrscheinlich direkt drübergestapft. Zum Glück waren sie nicht aggressiv, aber neue Schlangenfreunde wollte ich trotzdem nicht unbedingt machen. Am Ende waren wir alle zerkratzt – Shorts und Jandals sind kein Dschungel-Outfit. Ich habe wortwörtlich Warnungen gelesen, dass man genau das in Indonesien nicht machen soll. Aber hey, von Felsen zerschmettert zu werden klang auch nicht besser.

Schließlich erreichten wir die ruhige Nordseite und sprangen direkt ins Meer. Komplett angezogen, Schuhe inklusive – wir waren eh schon durchgeschwitzt. Mark und ich haben eine wertvolle Lektion gelernt: Niemals das Boot ohne Rucksack verlassen. Unser „kurzer Strandspaziergang“ wurde ein dreistündiger Dschungelmarsch. Fix und fertig – aber was für ein Ort!

Nur eine Sache brach mir das Herz: der Müll. Auf einer unbewohnten Insel. Schuhe, Plastik, sogar eine halbe Waschmaschine. Es ist einfach niederschmetternd. Ich gebe den Einheimischen keine Schuld – selbst in großen Städten gibt es keine ordentliche Müllabfuhr. An manchen Orten ist es sogar verboten, ihn zu verbrennen. Und die Plastikmenge ist einfach unfassbar.

Aber wo fängt man an? Nun ja, bei mir selbst wohl. Ich lehne Plastiktüten ab, habe meine eigenen Gemüsenetze dabei und immer einen wiederverwendbaren Becher. Aber wie ändert man die Denkweise von 280 Millionen Menschen, die einfach nichts anderes kennen? Zum Glück wird die junge Generation dank Internet langsam sensibilisiert. Trotzdem – Indonesien liegt, was Plastikverschmutzung angeht, ganz oben mit Indien, China und Afrika. Ich liebe dieses Land so sehr, und genau deshalb macht es mich so traurig, es im Müll versinken zu sehen.

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