Nass, wild & wackelig: Unsere Misool-Abenteuer
Oh, ich war total aus dem Häuschen, dass wir auf dem Weg nach Sorong bei der Insel Misool Halt machten. Misool gehört ja schon zu Raja Ampat und ist eine der vier „Königsinseln“ in der Gegend. Allerdings ist’s ein bisschen eine Mission, da hinzukommen – entweder drei Stunden Schnellboot für mindestens 500 Dollar oder eine entzückende 16-stündige Nachtfähre, einmal pro Woche. Inzwischen gibt’s immerhin eine zweite Fähre, um mehr Touris anzulocken, und es ist sogar von einem Wasserflugzeug die Rede. Schick!
Hier gibt’s das beste Tauchen in ganz Raja Ampat – aber definitiv nur was für erfahrene Taucher. Die Strömungen sind stark, und man braucht meist eigene Ausrüstung, Tauchcomputer und den ganzen Kram. Aber selbst wenn Tauchen nix für dich ist – die Insel ist einfach der Wahnsinn!
Unser erster Ankerplatz an der Westküste von Misool war... na ja. Super fürs Boot, klar, aber das Ganze sah aus wie ein Airbnb für Krokodile. Keiner von uns hat sich ins Wasser getraut. Mark und ich waren eh fix und fertig nach der Nachtwache und haben den halben Tag durchgepennt.
Am nächsten Morgen ging’s früh los Richtung Süden – da, wo der ganze Spaß passiert. Stell dir ein Archipel vor mit Weltklasse-Schnorcheln, Tauchen, Quallen Seen, Wanderungen – das volle Programm. Aber typisch: Statt das alles mitzunehmen, suchten wir erst mal einen gescheiten Ankerplatz und landeten dann weiter östlich, näher am Festland.



Trotzdem episch! Kaum war der Anker unten, sind wir los zum Erkunden. Wir fanden einen Steg, der zu einem ziemlich fragwürdigen Aufstieg zum Aussichtspunkt Puncak Dafalen führte – oder auch Puncak Love, wegen des herzförmigen Sees darunter. Die Treppe? Naja... fehlende Stufen, wackelige Teile – volle „Was kann schon schiefgehen“-Energie. Halb oben krochen wir auf allen Vieren, klammerten uns an zweifelhafte Geländer und Hoffnung.
Oben angekommen? Absolut jede Lebensgefahr wert. Schade nur, dass es bewölkt war – das Herz war erst auf den zweiten Blick zu erkennen, und man musste noch einen steilen, rutschigen Schotterhang hochklettern, um die perfekte Sicht zu bekommen. Sicherheitsvorschriften? Noch nie gehört. Würde ich die Wanderung wieder machen? Auf jeden Fall! Worte können die Schönheit dieses Ortes einfach nicht beschreiben.
Zurück beim Dingi sind wir weiter herumgetuckert und haben sogar mit einem Homestay-Besitzer gequatscht. Die Unterkünfte dort sind der Wahnsinn – direkt über dem Wasser, umgeben von gigantischen Felsen. Keine Straßen, keine Läden, einfach pure Robinson-Crusoe-Vibes.
Am nächsten Tag ging’s wieder mit dem Dingi los – Ausfahrt für morgen auskundschaften und ein bisschen weiter erkunden – und hallo Delfine! Aber das wahre Highlight war ein weiterer Aufstieg, den wir auf Google Maps entdeckt hatten – Puncak Harfat, oder Harfat Spitze (ja, es zieht sich ein Thema durch).



Bei Ebbe mussten wir den Außenborder hochnehmen und reinpaddeln. Diese Treppe war im Vergleich zur letzten Todesfalle ein Traum – gut gepflegt, nicht zu steil, und der Blick auf das Boot beim Aufstieg war genial.
Halb oben zog eine riesige schwarze Wolke auf uns zu. Kurz vor dem Gipfel kam uns ein Guide mit zwei Touristen entgegen und meinte: „Ihr habt noch fünf Minuten, bevor es regnet.“ Gelogen. Wir hatten etwa 30 Sekunden. Gerade genug, um ein Foto zu knipsen, bevor es wie aus Eimern goss. Fünf Minuten, ha!
Alles wurde in den Drybag gestopft – absolut überlebenswichtig in Indonesien. Vergiss deinen süßen Tagesrucksack, hier regnet’s in Eimern. Der letzte Teil des Pfades wurde zur matschigen Rutschbahn. Unten angekommen, sahen wir, dass das Dingi wieder zurück auf dem Boot war – der Skipper, der eigentlich gewartet hatte, hatte sich aus dem Staub gemacht, um den Regen in trockeneren Gefilden auszusitzen. Schlau!
Also hockten wir unter einem riesigen Felsvorsprung wie durchnässte Erdmännchen. Keine Ahnung warum – wir waren eh klatschnass, aber es fühlte sich besser an, als im offenen Monsun zu stehen. Irgendwann ließ der Regen etwas nach und das Dingi kam zurück. Einziger Haken? Unsere nassen Jandals wurden zu Skiern auf den Treppen, also gingen es barfuß weiter wie Dschungel-Hippies.



Zurück an Bord zwang uns der Skipper, uns draußen auszuziehen, bevor wir rein durften – klingt sexier, als es war. Einfach ein Haufen nasser, frierender Abenteurer, die ein Boot trocken halten wollten?!? Die Crew machte am Nachmittag noch eine weitere Tour, aber wir sagten „nein danke“. Trockene Klamotten und ein Nickerchen klangen deutlich besser. Außerdem waren wir eh zu weit weg von den besten Schnorchel Spots und dem Quallen See – also ausnahmsweise mal kein FOMO.
Am nächsten Morgen ging’s weiter Richtung Sorong. Über Nacht machten wir Halt in einem kleinen Kanal, um nicht im Dunkeln anzukommen (weise Entscheidung). Dann nur noch ein paar Stunden bis Sorong – aber statt direkt in die Marina zu fahren, die wir für die nächsten fünf Wochen gebucht hatten (während die Crew nach Hause fliegt), ankerten wir draußen. Angeblich war sie erst ab dem nächsten Tag gebucht. Ehrlich gesagt, hätten wir locker noch einen Tag in Misool dranhängen können, aber hier gibt’s keine spontanen Eskapaden.
In der Marina legten wir mit Heckleinen an – also mussten wir jedes Mal mit dem Dingi an Land. Ganze 20 Meter. Eine kleine Brücke wäre nett gewesen... aber Raja Ampat hat ein massives Rattenproblem, und eine Brücke wäre für sie wie ein roter Teppich. Jetzt haben alle Leinen Rattenschutz, und wir paddeln uns jedes Mal an Land.
