Von schweißtreibenden Wanderungen bis zu Kokosnuss Erfrischung: Buru und seine unerwartete Magie
Wir kamen am Nachmittag in Tifu an, einem kleinen Dorf im Süden von Buru Island. Buru ist die drittgrößte Insel der Molukken in Indonesien. Ein paar schöne Gegenwinde haben uns ziemlich ausgebremst und unsere Ankunft verzögert. Da Sonntag war, beschlossen wir, nicht an Land zu gehen. Schon vom Boot aus war klar: christliches Dorf – keine Moscheen in Sicht.
Die Worte des Skippers: „Wir machen einen faulen Nachmittag“, klangen wie Musik in meinen müden Ohren – ich war noch völlig zerstört von der Nachtwache. Fünf Minuten später standen wir natürlich alle auf dem Deck und schrubbten das Boot vom Salz. Nicht ganz meine Definition von „faul“, aber gut – musste halt gemacht werden. Ich meinte noch zur Manschaft, wir könnten doch einfach auf den nächsten tropischen Regenguss warten – denn wenn es in Indonesien regnet, dann richtig. Und siehe da: Kaum waren wir fertig, öffnete der Himmel seine Schleusen. Na ja, doppelt hält besser.



Am nächsten Morgen erkundeten wir das Städtchen ein wenig. Einige Crewmitglieder wagten sich an das lokale Essen, verkauft von einer alten Dame am Pier. Danach spazierten wir zu zwei verschiedenen Schulen, wo die Lehrer mehr daran interessiert waren, Selfies mit uns zu machen, als die Kids zu beaufsichtigen – die übrigens mitten in ihren Prüfungen steckten. Einige Einheimische und ein paar Jungs folgten uns durch das Dorf und erklärten uns fröhlich, was wo war. Überraschenderweise konnten sogar einige Kinder ein bisschen Englisch.



Wir schauten uns eine super schicke Fähre im Hafen an – natürlich kaputt – und nein, die Regierung hatte nicht vor, das Ding zu reparieren. Klassiker. Gleich daneben schnitzte jemand ganz entspannt ein Kanu neben einem riesigen Holzstapel, der am nächsten Tag von einem Frachtschiff eingesackt werden sollte. Fun Fact (also eigentlich eher traurig): Etwa 90 % des Holzeinschlags in Indonesien ist illegal. Weltweit? Zwischen 50–90 % ist ebenfalls nicht ganz sauber. Hauptsächlich geht’s darum, Land für Viehzucht freizuräumen oder eben Holz zu verscherbeln. Herrlich.
Am Nachmittag ging’s weiter die Küste hoch ins nächste Dorf namens Nanali. Wir ankerten neben einer kleinen Insel mit großem Hügel und traumhafter Küste. Und dann: Mangroven. Und wo Mangroven sind, da sind oft Krokodile. Die Einheimischen sprangen aber fröhlich ins Wasser – also gutes Zeichen. Mittlerweile wussten wir auch, wie man nach Krokodilen fragt – überlebenswichtig!
Mit dem Dinghy tuckerten wir an der Küste entlang und entdeckten ihr kreatives Boots-Parkhaus: Jedes Boot wurde aus dem Wasser gezogen und auf DIY-Holzstelzen geparkt. Auch viele Häuser standen auf Stelzen direkt im Wasser. Wie immer winkten uns alle zu – superfreundlich, wie eh und je. Direkt vor dem Dorf haben wir sogar ein paar große Schildkröten entdeckt.

Am nächsten Morgen ließ ich die Stadttour ausfallen und holten lieber Schlaf und Content-Arbeit nach. Nachmittags wollten wir beide Hügel auf der Insel erklimmen.
Auf der Rückseite der Insel landeten wir im Schildkrötenparadies – überall Köpfe, meist in Pärchen. Tinder für Schildkröten? Wir hörten irgendwann auf zu zählen. Nach dem Anlanden wateten wir durch zwei Meter hohes Gras zum ersten Hügel. Der war voller Taro-Pflanzen, was beim Aufstieg half – denn auf dem Hintern runterrutschen ist nicht gerade Instagram-tauglich. Es war heiß. Es war steil. Und der Schweiß lief in Strömen. Aber die Aussicht? Der Hammer.
Nach dem Abstieg versuchten wir den zweiten Hügel – keine Chance. Entweder endeten die Wege direkt in den Mangroven oder waren komplett zugewuchert. Ich gab irgendwann auf und sprang stattdessen ins Wasser. Und natürlich: Sobald Kamera und Schnorchel draußen waren – keine Schildkröte weit und breit. Alles wieder eingepackt? Zack, Schildkröten überall. Klassiker.



Gegen 16 Uhr warfen wir den Anker in Namlea, der Hauptstadt von Buru mit etwa 40.000 Einwohnern. Nach dem frühen Start waren wir alle platt und wollten uns „entspannen“. Entspannen in Anführungszeichen – denn ich war mit Kochen dran. Um 17 Uhr stand ich also in der Kombüse und zauberte ein mega gutes vegetarische Curry.
Am nächsten Morgen wollten wir alle an Land, aber es war gar nicht so einfach, einen sicheren Platz fürs Dinghy zu finden. Also teilten wir uns auf. Mark und ich hatten die erste Schicht – 2,5 Stunden zum Erkunden, bevor wir mit dem Rest der Crew tauschten.
Mark hatte auf Google ein „Einkaufszentrum“ gefunden – also los. Malls sind auf diesen kleinen Inseln echte Einhörner. Wenn man einen ATM findet, der Visa nimmt, ist das schon wie Weihnachten. Nach 30 Minuten Fußmarsch wurde ich misstrauisch – keine Bewertungen, keine Fotos, nur der Name „Motorshop“. Das ist kein Einkaufszentrum – das ist ein Google-Märchen. Ich streikte. Mark war überzeugt, Google würde ihn nicht belügen. Ach, du süßes Sommerkind. Nachdem ich ihm zeigte, was Google hier als „Café“ oder „Restaurant“ listet (Spoiler: meist nur ein Handkarren mit Instantkaffee), gab er auf. Außerdem macht hier eh nix vor 17 Uhr auf.
Wir liefen weiter den Hügel hoch, luden unsere SIM-Karte auf und schauten uns ein bisschen um. Es gab genau eine Tankstelle – und die Schlange war locker zwei Stunden lang. Ein Bus versuchte sich reinzuschummeln und nahm dabei ganz lässig ein paar Seitenspiegel mit – niemand zuckte auch nur mit der Wimper.



Während wir durch die Stadt liefen, wollten ständig Leute – inklusive Polizisten – Fotos mit uns machen. Und dann plötzlich: Menschenmassen. Schüler strömten aus der Schule, Prüfungen vorbei. Ich fing an zu filmen – und sofort posierten alle wie Promis. Zum Schießen.
Ein paar Straßen weiter sprach uns eine Englischlehrerin an und lud uns zu sich nach Hause auf frische Kokosmilch ein. Warum nicht? Mark half sogar beim Pflücken, und unsere liebe Gastgeberin Infah hackte die Nüsse für uns auf. Obendrauf schenkte sie uns noch einen Riesenhaufen Mangos. Wir saßen eine Weile in ihrem Garten und plauderten über unsere Kulturen – echt schön.



Leider verging die Zeit wie im Flug, und Infah und ihr Mann brachten uns freundlicherweise zurück zum Hafen. Sie hätten uns am nächsten Tag sogar gern noch auf eine Sightseeing-Tour mitgenommen, aber wir mussten früh wieder los. Mit ein paar Minuten Restzeit schauten wir noch über den Markt – fanden Avocados und… Neon-Hühner?! Keine Zeit, dieses Rätsel zu lösen – die Crew wartete.

Ein kurzer Abstecher – aber wie immer: Die Indonesier waren unglaublich herzlich.